
M I C H A E L K R A M M E R: (T E I L 3)
Zivildienst in Nicaragua
Playa El Coco und die Nachbarstrände
In den ersten Wochen war ich auch am Nachmittag meist mit den Kindern aus der Schule unterwegs. Sie zeigten mir alle kleinen Wege und Tricks, wie man über die Klippen und durchs Gebüsch zu den verschiedenen ebenso schönen und ebenso einsamen Nachbarstränden kommt.
Besonders reizvoll war es, in den sogenannten "esteros" zu baden und zu fischen, das sind die Stellen, wo Flüsse aus dem Landesinnere ins Meer münden. Die Ufer sind von Mangrovenwäldern gesäumt und es bildet sich je nach Jahreszeit kurz vor der Mündung ins Meer eine Art Tümpel, aus dem nur ein kleines Rinnsal ins Meer fließt. Man kann also im ruhigen Süßwasser schwimmen, danach 20 Meter über den Strand spazieren und sich in die hohen Wellen des pazifischen Ozeans werfen. Früher gab es in diesen Flussmündungen noch Krokodile, doch die sind mittlerweile leider den Gelüsten nach Krokodilledertaschen zum Opfer gefallen.
Mit den Kindern lernte ich auch das Dorf Collado kennen, das 6 km im Landesinneren inmitten eines noch relativ unberührten tropischen Trockenwaldes liegt. Ich hatte mir gedacht, schon am Coco befände ich mich ziemlich am Ende der Welt, wurde aber in Collado eines besseren belehrt.
Über eine 6 km lange Schlammpiste durch den Urwald - der Jeep blieb ein paarmal im Schlamm stecken - gelangt man schließlich zu einer kleinen Siedlung, wo die Menschen noch ohne elektrischen Strom und natürlich ohne Fließwasser leben. Ich staunte nur so, wie schnell die Kinder überall im Wald die verschiedensten Tiere entdeckten, wir sahen Brüllaffen, Kapuzineräffchen, Gürteltiere und nach Hause kam ich dann mit einer kleinen Schildkröte, die einer der Jungs im Schlamm entdeckt hatte.
Die Menschen dort leben zwar einfach, sind aber alle sehr nett und schnell freundete ich mich mit einigen Familien an. Als ich dann später mein eigenes Pferd hatte, ritt ich manchmal am Wochenende nach Collado, um einfach nur von Haus zu Haus zu reiten und mit allen zu plaudern. Egal wo man hinkommt, die Leute haben immer Zeit ein paar oder auch ganz viele Worte zu wechseln. Das ist ein großer Unterschied zur europäischen/westlichen Kultur wo man sehr oft das Gefühl hat, dass die Leute immer irgendetwas Wichtigeres (Stress, Arbeit, Einkaufen, Fernsehen, ...) zu tun haben, als sich einfach nur auf das Gegenüber einzulassen.
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