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Spanisch lernen in Guatemala
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L E I F  G Ö R I T Z:  (T E I L  3)

Impressionen aus dem Hochland Guatemalas

 
Auf unseren Reisen im Hochland waren wir auf die Camionetas angewiesen. Diese ausrangierten amerikanischen, knallbunt angemalten Schulbusse fahren auch noch in den letzten befahrbaren Winkel des Landes. Die Fahrt mit den Bussen ist billig und langsam, da sämtliche am Straßenrand wartenden Passagiere eingesammelt werden. Kapazitätsprobleme kennt dieses Gefährt nicht. In diese Busse passen so viele Menschen wie hineinwollen. Meistens rumpelten wir völlig überladen mit Schweinen, Hühnern und Früchten auf dem Dach über die Schotterpisten. Stoische Campesinos, dichtgedrängte Indios, eine Luft zum Schneiden und wir als hochgewachsene blonde Gringos dazwischen ohne jegliche Beinfreiheit eingekeilt, entsetzt die Augen aufreißend, wenn schon wieder jemand zusteigt. Der große Vorteil, wenn wir stehen mußten war, daß wir beim besten Willen nicht umfallen konnten. Wir benötigten gelegentlich eine gehörige Portion Humor, Gottvertrauen, wenn bei voller Fahrt mal wieder ein Reifen platzte und eine gute Wirbelsäule, um solche Fahrten durchzuhalten – aber sie gehören dazu, auch wenn es mitunter sehr anstrengend ist.
Insbesondere im Hochland kann man sehr viel von der sozialen Realität in Guatemala sehen und erleben, wenn man sich nicht von der touristischen Fassade des "Gringotrails" blenden läßt, wie zum Beispiel "dem traumhaft schönen typischen Indianermarkt in Chichicastenango", auf dem völlig überteuerter Souvenirramsch für amerikanische Touristen verkauft wird und die Händler in jedem Gringo ein wandelndes Dollar-Zeichen sehen. Als wir ankamen, herrschte auf dem Marktplatz schon geschäftiges Treiben, eine wahre Farbenflut aus bunten Trachten, Stoffen, Blumen und Früchten. Auf den Treppen der Kirche Santo Tomás wird Kopalharz verbrannt. Frische Blumen werden als Opfergabe in der Kirche verstreut. Um die Indígenas bekehren zu können, mußten die Missionare einige Kompromisse eingehen. So wurde die Kirche auf den Stufen eines alten Mayatempels erbaut, um die Bevölkerung überhaupt zum Gang in das Gotteshaus zu bewegen. Bei den Messen mischen sich heute alte Opferbräuche mit katholischen Zeremonien. Schade ist, daß sogar die indianischen Zeremonien mit Opferfeuern und Blumengaben auf den Stufen der Kirche von dem Touristenbüro der Stadt bezahlt sind.
Eine Attraktion des Hochlands sind die Märkte in den Dörfern. Viel authentischer ist die Atmosphäre zum Beispiel auf dem "echten" Indianermarkt in Momostenago, der noch seine eigentliche Funktion als wichtigster Warenumschlagsplatz und Informationsbörse der Einheimischen hat. Im Vergleich zu Chichi oder Panajachel kosten hier die traditionellen indianischen Teppiche und Decken nur die Hälfte und stammen tatsächlich aus Heim- und Handarbeit und nicht aus Webfabriken. In Zunil trafen wir in einer Baracke auf einem Hinterhof auf den heiligen San Simon, die neuzeitliche Mutation einer Maya-Gottheit namens Mam, die in enger Verbindung mit den fünf Unglückstagen des Maya-Kalenders steht. Gleichzeitig soll er für viele den christlichen Judas verkörpern. Sicher ist nur, daß die mannsgroße Holzpuppe, die von Blumen und Kerzen umgeben, mit einem Nadelstreifenanzug und Hut gekleidet, zwar eher nach Mafiosi als nach Gott aussieht, aber trotzdem in diesem Raum eine intensivere Atmosphäre herrschte, als ich jemals in einer Kirche erlebt habe.
Das prägendste Erlebnis meiner Reise war für mich der Besuch eines Flüchtlingslagers im Rahmen der Recherchen für eine Hausarbeit. Das Camp "Triumpho", das von der CPR Sierra – Comunity in Resistance verwaltet wird, liegt etwas vier Stunden nordwestlich von Xela in der Wüste kurz vor der mexikanischen Grenze. In diesem Lager leben seit fünf Jahren 2500 aus Mexiko zurückgekehrte ehemalige Bürgerkriegsflüchtlinge unter erbärmlichen Umständen zwei Stunden von der nächstgrößeren Stadt entfernt. Bei den Flüchtlingen handelt es sich fast ausschließlich um Indeginas, die vor den Massakern und Napalmbombadierungen während der 30 Jahre Krieg aus ihren Dörfern nach Mexiko geflohen waren. Die versprochene Hilfe der Regierung kommt nicht und die Hilfen des Auslandes wurden zum Großteil gestoppt, da der größte Teil der Gelder in Regierungskreisen versickerte, in die mittlerweile die Befehlshaber der Massaker aus den 80er Jahren, diesmal demokratisch legitimiert, wieder eingezogen sind. Völlig überraschend für uns war die Gastfreundschaft, mit der wir aufgenommen und bewirtet wurden. Die Offenheit der Leute gegenüber Fremden, sobald wir zeigten, daß uns ihre persönliche Geschichte tatsächlich interessierte und das Bestreben, obwohl es in diesem Dorf wirklich an allem fehlte, nicht zu resignieren, sondern weiterzumachen und zu versuchen, ihre Situation auch ohne Hilfe zu verbessern.
Wir werden später noch oft mit der bitteren Armut dieser Leute konfrontiert. Jedesmal wenn ich fünfzig Dollar in der Bank umtauschte, wurde mir bewußt, daß ich den Monatslohn eines Fabrikarbeiters in meinen Händen hatte. Gerade die zahlenmäßig stärkste Gruppe im Lande, die Indeginas, bilden, noch dazu in ihrem ureigenen Lande, die unterste Schicht der Bevölkerung. Jahrelang schlimmsten Repressalien durch das Militär ausgesetzt und als Sklaven auf den Fincas weißer Großgrundbesitzer ausgebeutet, ist die Geschichte dieses Volkes schon seit den spanischen Conquistadores ein Weg des Leidens. Ist auch dank der jungen Demokratie Ruhe eingekehrt, so hat sich an den Besitz- und Machtverhältnissen nur wenig geändert. Noch immer besitzen 3 Prozent der Bevölkerung 90 Prozent des Landes, noch immer müssen die Indeginas für einen Hungerlohn auf den Finkas arbeiten, weil die eigenen Parzellen zu klein sind, um die Familien zu ernähren.
Ich kann jedem, der eine Guatemala – Reise plant, nur empfehlen, sich Zeit für die Entdeckung des Hochlandes zu nehmen, ehe man sich auf der typischen Touristenroute Panajachel, Antigua, Livingston, Rio Dulce, Flores, Tikal und weiter nach Belize und vielleicht an die karibischen Strände nach Mexiko begiebt. Generell fühlte ich mich während der gesamten Reise sehr sicher, wobei man natürlich nicht gewisse Vorsichtsregeln für das Reisen in Dritte-Welt-Länder außer Acht lassen sollte. Für weitere Informationen zum Thema Reiseplanung oder auch nur Erfahrungsaustausch stehe ich allen Interessierten gerne zur Verfügung.

Text: Leif Göritz
        
 
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