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Spanisch lernen in Guatemala
T A N J A  S C H E F F L E R:  (T E I L  1)

Guatemala

02.03. – 27.04.
Tanja Scheffler vor dem Lago Atitlan - Foto: Tanja Scheffler Mein 6-monatiger Trip durch Zentralamerika sollte am 02.März 2001 in Quetzaltenango (wird überall Xela genannt) in den Highlands von Guatemala auf 2335m beginnen. Zusammen mit meiner Cousine Silke wohnte ich parallel zu unserem täglichen Spanisch-Unterricht 4 Wochen in einer 9-köpfigen guatemaltekischen Familie. Sie gehörte nicht zu den allerärmsten und besass daher sogar einen Fernseher, einen Kühlschrank und eine selten benutzte Waschmaschine. Der Vater, ein Fernkraftfahrer, war nur selten zu haus, dafür konnten wir mit Mama Blanca und den 7 Kindern (6-18) umso mehr die neue Sprache üben. Xela ist aufgrund seiner Höhe im Winter (die Zeit vor der Regenzeit Mai bis Oktober) recht kühl, so dass wir froh um unsere dicken Schlafsäcke waren – die Flöhe auch! Wenn wir Glück hatten, war die Dusche nicht eiskalt, hatten wir Pech, gab es gar kein Wasser.... In unserer Familie machte ich die erste Bekanntschaft mit dem typischen guatemaltekischen Essen: Reis mit Bohnen und Ei – nach den 4 Wochen konnten wir keine Bohnen mehr sehn!
Neben unserem Unterricht gelang es uns, einige Male in dem mit 43 Kindern gefüllten Waisenheim Xelas auszuhelfen und einen Einblick in die höchst sinnvolle Arbeit der Freiwilligen aus aller Welt zu erlangen. Ob Aushilfe beim Aufbau eines organischen Gartens oder in der Panaderia beim Backen von Vollkorn- oder Karottenbrot – es war ein gutes Gefühl, einen kleinen Beitrag für den Fortschritt dieses wichtigen Projektes leisten zu können. Der Sinn dieses seit etwa 1,5 Jahren laufenden Projektes ist, ein funktionierendes, weitgehend unabhängig, sich selbst tragendes Waisenheim zu schaffen, dass von Einheimischen geleitet und verwaltet wird, ohne dass die ausländische Hilfe der Freiwilligen nötig ist. Von diesem Ziel war dieses dreckige, ärmliche, verlauste Gebäude noch weit entfernt.
Nach Vokabeln lernen und Gräben schaufeln übten wir uns im Salsa – und Merengue tanzen mit unseren einheimischen Amigos. Schon bald mussten wir uns an die 3 typischen ersten Fragen eines männlichen Zentralamerikaners gewöhnen – hierbei spielte das Herkunftsland absolut keine Rolle:
Como te llamas? (Wie heisst Du?)
Cuantos años tienes? (Wie alt bist Du?)
Tienes novio? (Hast Du einen Freund?) ...
Die nächtliche 6-stündige Besteigung des 3700m hohen Vulkans Santamaria bei Vollmond war ein abenteuerliches und anstrengendes Erlebnis, das mit einem gigantischen Blick über das Hochland bei Ankunft am Gipfel pünktlich zum Sonnenaufgang belohnt wurde. Nach dieser Wanderung mussten wir am nächsten Tag erfahren, dass eine 12-köpfige Gruppe, die nach uns – also tagsüber – den kleinen Pfad durch das verwucherte Lavagestein in Angriff nahm, von bewaffneten Banditen überfallen und ausgeraubt wurde. Wir hatten Glück und wiedereinmal wurde mir bewusst, wie gefährlich dieses Land ist und wie sehr wir auf uns und unser Gepäck aufpassen mussten. Nach den ersten 4 Wochen hiess es Abschied nehmen von unseren Geschwistern, den Lehrern, Tanzpartnern, Flöhen und dem angenehmen Klima in Xela. Die Amerikanerin Amelia und die Canadierin Lucy sollten für die nächsten Wochen unsere Reisepartner durch Guatemala bis hin zum Norden von Honduras sein. Ich wählte die schweisstreibende Variante und wanderte mit 9 anderen Verrückten 3 Tage lang mit 70l-Rucksack, Camping- und Kochausrüstung über Stock und Stein zu dem von Vulkanen umgebenen Lago Atitlan, wo die 3 Mädels auf mich warteten.
Dieser Hike durch das tiefste Hinterland Guatemalas war eine der beeindruckendsten Erfahrungen meiner Reise, da hier die Mayas teilweise ohne Elektrizität in ihren Holz- oder Lehmhütten hausen und jeder noch so schwer mit Holz beladene barfuss laufende Bergbewohner freundlich grüsst und sich freut über Besuch aus der Ferne. An einem super steilen staubigen sonnigen Erdhang hat mich sogar ein neben mir schwitzend aufsteigender Einheimischer des nächsten Dorfes gefragt, ob er nicht meinen Rucksack den Berg hochtragen dürfe...
Ich fand es faszinierend, wie unsere ausgeprägte Vorsicht und Angst, ausgeraubt zu werden, auf diesem Trek minimiert wurde – auch wenn wir manchmal das Tagesziel erst nach Einbruch der Dunkelheit und völlig erschöpft erreichen konnten und keine Kraft mehr zum Zeltaufbau übrig hatten. Guatemala ist ein wunderschönes abwechslungsreiches farbenfrohes Land, das sich noch immer in der Erholungsphase des langjährigen grausamen Bürgerkrieges (60- bis 80-er Jahre ) befindet. Jede Stadt und jedes Dorf hat die eigene Tracht, die Menschen sind sehr freundlich – auch wenn der Chickenbus noch so überfüllt ist. Es existieren insgesamt 21 Maya-Gruppen, die das Kulturerbe ihrer Vorfahren beibehalten, grösstenteils auf dem Land leben und noch in ihrer eigenen Maya-Sprache kommunizieren - die sich komplett von Spanisch unterscheidet.
Der Lago Atitlan ist ein Ort zum Relaxen: Nachts zur Trommel- und Gitarrenmusik am Feuer in die Sterne schauen, tagsüber zwischen Ananas- und Mango-Essen einen Sprung von den Rocks ins kühle Nass wagen, zum Sonnenuntergang ein bisschen Yoga und vor dem Schlafengehen bloss nicht vergessen, das Bett nach Skorpionen und Spinnen abzusuchen...die Schuhe musste ich natürlich die ganzen 6 Monate über vor dem Anziehen erst ausschütteln!
Foto: Tanja Scheffler Pünktlich zur Osterwoche trafen wir in Antigua ein, um die über 4 Tage verteilt stattfindenden Prozessionen und die in grösster nächtelanger Feinarbeit und Sorgfalt erstellten Teppiche aus bunt gefärbten Sägespänen, Blumen, Obst und vielen anderen originellen Materialien auf den Kopfsteinpflasterstrassen zu bewundern. In dieser Woche pilgern nicht nur unzählige Touristen aus aller Welt, sondern auch viele Maya-Familien aus der Umgebung nach Antigua, um dort ihre in mühsamer Handarbeit gefertigten bunten Hüte, Schals, Taschen und Schmuck für günstige Quetzales zu verkaufen. Obwohl wir uns bereits vorher auf einem typisch guatemaltekischen Markt in Chichicastenango mit einigen Souvenirs eingedeckt hatten, und eine Riesentasche mit einem deutschen Sprachschulkollegen umsonst nach Hause schicken konnten, viel es oft schwer, die vielen schönen Sachen abzulehnen. ...alles, was wir jetzt kauften, mussten wir 5 Monate mit uns rum schleppen... Der noch aktive Vulkan Pacaya sollte der nächste Ort sein, an dem ich meine überschüssige Energie loswerden konnte. Seit einem Jahr ist er nicht mehr ausgebrochen und beim Anblick der dunkelrot brodelnden Lava, die ich vom Gipfel aus sehen konnte, blieb mir nur die Hoffnung, dass er nicht gerade jetzt anfängt, in die Höhe zu spucken... Der Aufstieg anstrengend – 3 Schritte vor, einen zurück – der Abstieg in dem losen Lavageröll ungefähr wie skifahren... Übrigens musste ich diesen Vulkan hochsteigen, um einen neuen Mountainbike-Gefährten aus Zürich (besser gesagt aus dem Kaff nebenan) zu treffen – unsere Bikes kennen sich mittlerweile auch schon. So klein ist die Welt...
Der nächste Stop unseres insgesamt 2-monatigen Guatemala-Aufenthaltes waren die beeindruckenden bis zu 2600 Jahre alten Maya-Ruinen Tikals, die auf 16 km² mitten im tiefsten Dschungel teilweise versteckt, teilweise aber auch aus dem grünen Meer von uralten Bäumen heraus ragen. Fast wie beim Anblick schneebedeckter Alpengipfel bekam ich Gänsehaut, als wir den höchsten Tempel mit 64m über die steilen Steinstufen erklommen, oben angekommen in jede Richtung nichts als grünen Dschungel sahen so weit das Auge reichte und in der Ferne das mächtige Geschrei der Howlermonkeys (Brüllaffen) hörten. Auf den Spuren der alten Mayas fanden wir Ballstadien, Grabmäler, Reste von Wohnhäusern und Palästen mit teilweise gut erhaltenen Schriftzeichen.
Auf dem Weg Richtung Süden blieben wir anschliessend eine Woche auf der idyllischen Finca Ixobel in Poptun hängen, wo wir die Zeit mit abenteuerlichen Aktivitäten verbrachten wie dem River-Cave-Trip, bei dem wir mit Badeanzug, Stirnlampe und Teva-Sandalen ausgerüstet 2 Stunden durch einen dunklen Fluss in einer tropfsteinartigen Höhle gewatet und stückweise geschwommen sind oder dem 2-tägigen Trip zu Pferd mit Lagerfeuer und Kochen am Fluss, Übernachtungen in Hängematten und dem Geweckt-werden von dem Gebrüll der Affen und den Gesprächen der Vögel im Dschungel nebenan. Wiedereinmal kam uns zugute, dass wir spanisch gelernt hatten...sonst wären uns einige interessante Geschichten von unserem netten Guide entgangen... In ganz Zentralamerika, aber besonders auf dieser Finca bestand das grosse Risiko, einer Tarantel zu begegnen. Per Zufall hab ich gerade nicht in dem Baumhaus übernachtet, in dem eine unterm Bett vor kam...per Zufall musste ich gerade nicht in der Nacht auf’s Klo, als eine dieser fetten haarigen schwarzen Achtbeiner das Bad unseres Dormitorios (Schlafraum mit Stockbetten, meist 10-20 Betten) besetzte. ...ausser in Terrarien hab ich auf diesem Trip keine dieser Viecher gesehen...aber geträumt hab ich davon!!!
Über eine traumhaft schöne Bootstour unter tieffliegenden Pelikanen und zwischen lianenbehangenen haushohen Bäumen hindurch auf dem Rio Dulce gelangten wir an die nur etwa 90 km lange Karibikküste Guatemalas und verabschiedeten uns für’s erste von unserem Lieblingsland Zentralamerikas.

        
Text und Fotos: Seite öffnenTanja Scheffler
 
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